Geomatik

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Geoinformationen sind Informationen mit räumlichem Bezug. Da dies den überwiegenden Teil aller Daten betrifft, ist das Potential bezüglich der Verwendung von Geodaten riesig. Entsprechend gut sind die Perspektiven in diesem Bereich für Geographen – insbesondere auch im Feld der Geoinformationssysteme (GIS).

Der Querschnittsbereich aus Geographie, Kartographie und Geodäsie sowie Geoinformatik, der sich mit diesen Aufgaben befasst, wird “Geomatik” genannt. Der größte Anwendungsbereich innerhalb der Geomatik ist die ”Geoinformationsverarbeitung” mit dem Instrument  “Geographisches Informationssystem” (GIS). Mit GIS werden räumliche Daten analysiert und dargestellt. Diese Art der Datenverarbeitung bringt einen großen Mehrwert für Unternehmen und öffentliche Institutionen mit sich, weil räumliche Informationen so schneller und effizienter analysiert und kommuniziert werden können. Da Geographen mit der Qualität räumlicher Daten vertraut sind, besitzen sie besondere Kompetenzen in diesem Berufsfeld. Aufgrund guter globaler Wachstumsprognosen der Branche ist die Geomatik ein Arbeitsfeld mit Zukunft.

In den USA gilt die “Geospatial Technology Industry” längst als eine der wachstumsstärksten Branchen überhaupt (U.S. News Science). Und auch in Europa wird ein Wachstum der Geoinformationswirtschaft von über 10% in zwischen 2010 und 2014 erwartet. Vor allem die Umsetzung von INSPIRE soll ein starkes Marktwachstum nach sich ziehen (geospatialworld.net).

Die Tätigkeitsfelder für Geographen ergeben sich aus den Komponenten der Geomatik als Wissenschaft und der Geoinformationssysteme als Instrumente. Wie bei anderen Informationssystemen funktioniert die Informationsverarbeitung in einem Geoinformationssystem  in drei Schritten: Eingabe, Verarbeitung und Ausgabe der Daten (EVA-Prinzip). Dies umfasst aus praktischer Sicht auch die Erfassung (Erhebung), Verwaltung (Aufbereitung), Analyse, Modellierung und Präsentation (Kommunikation) von Daten mit räumlichem Bezug (EVAP) (Online Portal des GIS-Lab der Philipps Universität Marburg). Grundsätzlich wird dabei zwischen zwei Datentypen und damit  auch zwei Disziplinen innerhalb der Geomatik unterschieden:

  • die Geoinformationsverarbeitung nutzt als Datengrundlage vorwiegend Informationen im Vektorformat, also Punkten, Linien und Flächen, die auf Vektoren basieren
  • die Geofernerkundung verwendet als Datengrundlage Fotos oder Satellitendaten – dies sind Informationen im Rasterformat, d.h. Attribute sind in Zellen abgelegt. Hier spielen insbesondere opto-physikalische Prinzipien eine große Rolle

Tendenziell nutzt die physische Geographie eher Methoden der Geofernerkundung, da durch Satelliten erhobene Daten meist kontinuierlich sind. In der Humangeographie dagegen kommen räumliche Phänomene und Prozesse eher als diskrete Werte vor und somit sind hier Punkte, Linien und Flächen besser geeignet. Diese werden in sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fragestellungen vor allem in Form von Karten dargestellt. Die Kartografie ist daher die dritte Disziplin innerhalb der Geomatik. Naturwissenschaftliche Fragestellungen erfordern im Vergleich zu humangeographischen häufiger zusätzlich zur einfachen Analyse auch eine Interpolation der Daten.

Innerhalb der genannten Wissenschaften werden überwiegend GIS verwendet um die verschiedenen Aufgabenstellungen zu bearbeiten. GIS sind vielfaltig einsetzbar und erhöhen in fast allen Disziplinen die Effizienz und die Möglichkeiten Informationen zu untersuchen. Vor allem aber die Informationsvermittlung mithilfe von Karten ist bei vielen Fragestellungen besonders förderlich für die Kommunikation von Ergebnissen. Die drei Haupteinsatzbereiche von GIS sind:

  • Geoinformationswirtschaft – die sich unmittelbar mit Geoinformationen, deren Erhebung, Veredelung, Vertrieb und Erforschung beschäftigenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen
  • kartografische GIS-gestützte Darstellungen – sie finden fast überall Anwendung: von Beratungsunternehmen über öffentliche Verwaltungen, Verkehrsunternehmen, Forschungsinstituten bis hin zu Planungsbüros werden Karten verwendet – insbesondere auch um politisch relevante Informationen zu vermitteln
  • Analyse – diese findet fast ausschließlich in wissenschaftlich arbeitenden Beratungsunternehmen und Forschungsinstituten statt, aber zum Beispiel auch in Expansionsabteilungen von Einzelhandelsunternehmen

Entsprechend sind Geographen besonders gefragt um Ihre Fähigkeit des räumlichen Denkens einzusetzen. Während des Studiums kann bereits an vielen Universitäten der entsprechende Schwerpunkt gesetzt werden. Wichtig sind aber vor allem Praktika, da der Umgang mit Geoinformationssystemen am besten in der Praxis zu erlernen ist. Da dies ein wachsender Markt ist, werden eigentlich immer Studenten für GIS-Tätigkeiten gesucht (z.B. bei Versorgern, bei öffentlichen Unternehmen, Verkehrsunternehmen, aber auch bei Presseagenturen). Verbessern kann man seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zudem durch Kenntnisse in (Geo-)Informatik, Programmierung und Kartografie oder in CAD-Programmen. Als Geograph können aber leider auch genau die fortgeschrittenen Informatik-Kenntnisse, die zum Beispiel in der ITK-Industrie häufig Voraussetzung sind, sehr erschweren.

Karten wie diese hier zur Landnutzung in ei-
ner amerikanischen Stadt werden häufig in
Unernehmen und Verwaltungen genutzt
(Quelle: B. Heldt 2011)

Helfen kann hierbei aber auch Eigeninitiative: Da sich die Open Source GIS Software in den letzten Jahren dramatisch verbessert hat sind wir dabei nicht mehr von den teuren GIS-Programmen privater Anbieter abhängig.  Mittlerweile gibt es ebenso gute kostenlose Open Source GIS-Software wie QuantumGIS oder gvSIG. Da auch immer mehr Geodaten offen verfügbar sind (z.B. über Open Data Berlin), können wir unsere GIS-Kenntnisse auch zuhause selbst verbessern.

Bisher ist der Berufszweig der Geoinformatiker in Deutschland noch lange nicht so verbreitet wie zum Beispiel in den USA, wo “GIS Analyst” und “GIS Specialist” sehr gängige Berufsbezeichnungen sind. Allerdings bekommen Studenten mit dem neuen Ausbildungsberuf Geomatiker/-in, der den Kartografen ablöst, Konkurrenz. Berufsbezeichnungen variieren hierzulande stark. Häufig gesucht werden:

  • Geodatenmanager: diese sind sozusagen als Initiatoren verantwortlich für den ersten Aufbau einer Geodatenbank und später für ihre Pflege und Erweiterung zuständig
  • GIS Spezialist, GIS Engineer und GIS Analyst: teilweise ähnlich dem Geodatenmanager, aber zusätzlich mit Analyseaufgaben und Kartenerstellung, teilweise auch WebGIS
  • CAD-Zeichner und Spezialist GIS/CAD
  • Kartographen
  • Geoinformatiker

“GIS” ist ein sehr guter Suchbegriff bei der Stellensuche in Jobsuchmaschinen.

Zum Weiterlesen:
ein Kompetenzmodell des US Governments, welches umfassend die Einsatzmöglichkeiten und Kompetenzen der “Geospatial Technology  Industry” beschreibt: Geospatial Technology Industry Competency Model

Zum Weiterlesen:
eine sehr gute autodidaktische Seite zum Thema GIS: geoinformation.net